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Zurück in die Kindheit: Eine Ebersbacherin machts möglich

Zurück in die Kindheit: Eine Ebersbacherin machts möglich

(Pressetext SZ)

Seit 20 Jahren sammelt Manuela Jannasch leidenschaftlich altes Spielzeug. Das will sie nicht länger nur für sich aufbewahren. Ab dem zweiten Advent öffnet sie eine besondere Ausstellung, bei der Nostalgie-Fans auf ihre Kosten kommen.

Ebersbach-Neugersdorf. Sandmann und Frau Elster grüßen aus der Vitrine. Gleich daneben steht Steffi, die Barbie der DDR. Im Regal gegenüber finden sich Spiele, die sicherlich viele aus ihrer Kindheit kennen, das kleine Steck-Halma zum Beispiel war ein Zeitvertreib auf Reisen. Auf der Gardinenleiste über dem großen Fenster sitzen Handpuppen, darunter ganz alte mit geschnitzten Holzköpfen. Und in der Mitte des großen Ausstellungsraumes parken ferngesteuerte Autos aus früheren Jahrzehnten. Sie waren seinerzeit noch ausgestattet mit Kabel und einer riesigen Fernbedienung. An eine Funkverbindung zwischen Auto und Bediener war damals nicht zu denken. Manuela Jannasch zeigt auf ein weinrotes Modell hinter Glas. „Das ist eines der ersten Fernlenkautos, die es gab.“ Das Modell des bekannten Herstellers Sommermeyer stammt von Ende der 1950er Jahre. Es ist nur eines von Manuela Jannaschs vielen Schätzen. Unzählige Kinderspielsachen hat die Ebersbacherin gesammelt.
Daraus ist nun eine umfangreiche Ausstellung entstanden, die dauerhaft zu sehen sein wird. „Ebersbach hat ja kein Museum mehr“, sagt die Sammlerin. Auch das war für sie Ansporn, aus ihrer Sammel-Leidenschaft etwas zu schaffen, was auch anderen zugänglich ist. Vor Jahren schloss das Museum auf dem Schlechteberg in der Humboldtbaude, nun will die Stadt
die Baude verkaufen. Einen neuen Standort fürs Museum gibt es bis heute nicht, die Exponate sind eingelagert. Auch das Heimatmuseum im Ortsteil Neugersdorf ist schon lange zu.

Über 20 Jahre Sammelleidenschaft

Jetzt gibt es dank der privaten Initiative bald wieder Historisches in einer Dauerausstellung zu sehen. Manuela Jannasch eröffnet „Seppels Spielzeugausstellung“ erstmals am 8. Dezember. Die Ausstellung historischer Spielsachen - vornehmlich aus der DDR - hat im OKV Platz gefunden. Auch der Standort selbst hat geschichtliche Bedeutung. Das Gebäude war einst das Speise- und Kulturhaus von Lautex und ist Mitte der 1950er Jahre gebaut worden. Nach der Wende war ein Supermarkt drin. Später kaufte Recycling-Unternehmer Reneé Jannasch das Haus an der B 96 und gestaltete es zum Eventhaus - dem Oberlausitzer Konzert- und Veranstaltungshaus, kurz OKV - um. Der markante, kurze Name ist geblieben, die Nutzung
hat sich geändert. Seit einigen Jahren beherbergt das OKV eine Trödelhalle. Nun kommt im Obergeschoss die Spielzeugsammlung von Jannaschs Frau Manuela hinzu.

Vor 20 Jahren begann ihre Sammelleidenschaft. „Altes Spielzeug hat mich fasziniert“, sagt sie. Vielleicht liegt das auch ein bisschen in ihren Genen, meint sie lachend. Ihre Oma hat einst einen Spielzeugladen in Ebersbach betrieben. Er befand sich in dem großen Eckhaus an der Hauptstraße/Ecke Kottmarsdorfer Straße, ganz in der Nähe von Kirche und Freibad. „Ich
selbst kann mich an den Laden gar nicht mehr erinnern. Aber wahrscheinlich habe ich doch etwas abbekommen von der Faszination für Spielzeug.“ Jedenfalls hatte sie irgendwann über die Jahre so viel historisches Spielzeug angesammelt, dass sie beschloss, das Ganze nicht nur für sich aufzubewahren, sondern der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Viele Sammler
haben ihre Sachen in Kisten und Schränken. Aber was hat man denn dann davon?“ Sie wolle anderen damit auch eine Freude machen - und hat selbst großen Spaß daran. „Wenn ich hier in der Ausstellung arbeite, dann ist das Entspannung für mich.“ Und sie ist sicher: Jeder entdeckt hier etwas, das er früher selbst zu Hause hatte und womit er schöne Kindheitserinnerungen verbindet. „Die Ausstellung ist sicher eher etwas für Erwachsene. Oder für Großeltern, die ihren Enkeln zeigen wollen, womit sie früher gespielt haben.“

Tausende Spielsachen aus vergangenen Zeiten haben in "Seppels Spielzeugausstellung" einen Platz gefunden.
Quelle: Matthias Weber

Werbe-Männchen fielen Mangelwirtschaft zum Opfer

Da sind etwa die Holzautos der Firma Fröbel aus Werdau. Davon zeigt die Ausstellung eine riesige Anzahl, die ältesten sind von 1948, als der Betrieb noch Dressel hieß. Manuela Jannasch hat die kompletten Sammlungen von zwei Sammlern aufgekauft. Sie hatte ihn noch zu Lebzeiten kennengelernt. Von anderen Sammlern, über Internetbörsen und auf
Flohmärkten hat sie sich die Schätze ihrer Ausstellung zusammengesucht. Eine besondere Abteilung sind auch die Werbefiguren aus der DDR. Das Leipziger Messemännchen etwa zeigt Manuela Jannasch in verschiedenen Größen, aber auch das Lotto-Männchen, das Mux-Männchen oder eine Lautex-Weberfrau. Die Figuren standen oft in Schaufenstern. Die
Werbefiguren seien ein wenig in Vergessenheit geraten und heute Raritäten, denn sie wurden nur bis Anfang der 1970er Jahre gefertigt. „Dann fuhr Honecker die Herstellung zurück“, weiß Manuela Jannasch. „Es herrschte Mangelwirtschaft. Und man brauchte ja nichts zu bewerben, was es nicht gab.“ So zeigt die Ausstellung auch ein Stück DDR-Geschichte. Geöffnet ist sie künftig jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Am ersten Öffnungstag, dem 8.
Dezember, ist von 10 bis 16 Uhr offen. Sonderöffnungszeiten sind am 26. Dezember und am
1. Januar, jeweils von 13 bis 16 Uhr.
SZ

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